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Das Wollmatinger Ried

 

Auszeichnungen

 

Europadiplom

Dem Wollmatinger Ried wurden mehrfach internationale Auszeichnungen verliehen. Prämiert wurde seine Bedeutung als Refugium für seltene und gefährdete Tier- und Pflanzenarten sowie die erfolgreiche Naturschutzarbeit: 1968 erhielt das Wollmatinger Ried das "Europadiplom" des Europarates das seitdem alle 5 Jahre neu vergeben wurde,1973 erklärte der Internationale Rat für Vogelschutz das Gebiet zum Europareservat und seit 1976 zählt die Riedlandschaft zusammen mit den angrenzenden Seebuchten zu den "Feuchtgebieten internationaler Bedeutung" aufgrund der Ramsar-Konvention von 1971. Das Wollmatinger Ried ist ebenfalls durch das europäischen Schutzgebietssystem Natura 2000 geschützt, das sich aus FFH-Richtline und Vogelschutzrichtlinie zusammensetzt.


Kultur- oder Naturlandschaft?

 

Heuballen im Ried

Im Frühsommer wird das Wollmatinger Ried häufig überschwemmt. Bei extremem Hochwasser sind bis über 95% der Schutzgebietsfläche vom Seewasser bedeckt. Trotzdem versuchte der Mensch seit Jahrhunderten möglichst große Teile des Gebietes landwirtschaftlich zu nutzen. Ein abwechslungsreiches Mosaik von Kultur- und Naturlandschaft entstand und wird heute weiter gepflegt.

Weitgehend natürliche Lebensräume finden sich in Ufernähe, z.B. die Flachwasserzonen, Schilfgürtel und Reste des ehemaligen Auwaldes. Die weiter landeinwärts liegenden Streu- und Futterwiesen entstanden dagegen durch landwirtschaftliche Nutzung.

Wer schützt das Ried?

 

FÖJ

Für die Landwirtschaft ist die Bewirtschaftung der wertvollen Streuwiesen seit Jahrzehnten nicht mehr rentabel. Für das gesamte Ried wurde ein Pflegeplan erstellt, der verhindern soll, dass große Teile verschilfen oder verbuschen. Der größte Flächenanteil wird auch heute noch von Landwirten im Auftrag der Naturschutzbehörde gemäht. Die besonders feuchten und empfindlichen Bereich werden von den Mitarbeitern des NABU Konstanz mit Balkenmähern gemäht. Beim Rechen und Abtransport des Mahdgutes helfen im Winterhalbjahr Freiwillige mit.

Neuerdings weiden in der Nähe des Gottlieber Weges Schottische Hochlandrinder. Dort wurde - bisher erfolgreich - getestet, ob durch die Beweidung mit Rindern das Schilf zurückgedrängt und die Strukturvielfalt der Streuwiesen erhöht werden kann. Diese Rinderrasse eignet sich hervorragend für Feuchtgebiete: Die Tiere sind genügsam, leicht und verursachen aufgrund ihrer breiten Klauen wenig Vegetationsschäden.

Die Tier- und Pflanzenwelt wird jedes Jahr kontrolliert, um schnell auf Bestandsveränderungen reagieren zu können. Daneben ist auch die Wissenschaft interessiert und aktiv im Gebiet.

Wissenschaft und Forschung

 

Kleines Knabenkraut

Bereits seit rund 100 Jahren wird die Vogelwelt im Wollmatinger Ried intensiv beobachtet. Die regelmäßigen Zählungen und Brutvogelkartierungen geben ein gutes Bild über den Zustand des Gebietes. Bei den rastenden Zugvögeln helfen die Erfassungen mit, gesamteuropäische Populationsschwankungen zu erkennen.

Die regelmäßig durchgeführten Pflanzenzählungen seltener Arten geben Aufschluss über die Bestandsentwicklung der verschiedenen Orchideen, der Sumpf-Siegwurz und anderer Pflanzen.

In neuerer Zeit interessiert sich die Forschung auch für das Ökosystem "Ried" als Ganzes. Die durch die periodischen Wasserstandsschwankungen erzeugte Dynamik wird genutzt, um die Wechselwirkungen im Ökosystem besser verstehen zu lernen.

 

Neuer Beobachtungsturm für die Forschung

Neuer Beobachtungsturm Schüler der Zeppelin-Gewerbeschule Konstanz stellten ihr fachliches Können und ihr Engagement bei einem außergewöhnlichen Projekt unter Beweis. Ein seit über 60 Jahren bestehender kleiner Beobachtungsturm im Naturschutzgebiet Wollmatinger Ried musste dringend erneuert werden. Dabei sollten die Bauarbeiten vor Ort auf das Allernotwendigste beschränkt werden, um die wertvolle und sensible Natur möglichst zu schonen. Also wurde das Bauwerk in seinen Original-Abmessungen von Zimmerer-Schülern des zweiten Ausbildungsjahres unter der Regie ihres Lehrers und Zimmermeisters Micha Neubold während des Unterrichts zunächst auf dem Schulgelände errichtet und anschließend wieder in seine Einzelteile zerlegt. Auch Schüler der Berufsfachschule für Bau und des Berufseinstiegsjahres waren am Projekt beteiligt. Zivildienstleistende des NABU-Naturschutzzentrums Wollmatinger Ried betreuten das Vorhaben und waren auch im Einsatz, als der baufällige alte Turm abgebrochen werden musste.

Für den Transport des Baumaterials und die Errichtung des Turms waren viele zupackende Hände und ein straffer Ablaufplan gefragt. Vor allem sollte dadurch gewährleistet sein, dass die Bauarbeiten im Naturschutzgebiet innerhalb eines Tages abgeschlossen werden können. Die angehenden Zimmerleute und die zahlreichen Hilfskräfte zeigten nicht nur ein professionelles Vorgehen, sondern auch die erforderliche Rücksichtnahme auf die schützenswerte Tier- und Pflanzenwelt. Harald Jacoby, der Vorsitzende des NABU Konstanz, dankte dem gesamten Team der Zeppelin-Gewerbeschule für diesen großartigen Einsatz und freute sich über das gelungene Bauwerk, das den Betreuern des Wollmatinger Rieds die Beobachtung der reichen Vogelwelt des Naturschutzgebiets ganz wesentlich erleichtert.

Schutz- und Forschungsstation "Netta"

 

Schwimmende Beobachtungsstation Netta

Neben seiner Bedeutung für den Artenschutz besitzt der Bodensee auch eine starke Anziehungskraft als Erholungsregion vor allem für Wassersportler. Dies führt häufig zu Konflikten, besonders an der wasserseitigen Grenze der Schutzgebiete: Bereits ein einziger, in die gesperrte Schutzzone einfahrender Wassersportler kann zur Beunruhigung der scheuen und bedrohten Brutvögel oder zur Massenflucht der rastenden und mausernden Wasservögel führen. Durch eine landseitige Überwachung ist nur wenig auszurichten, da nur die Verstöße registriert werden können, ohne das direkte Einwirkungsmöglichkeiten bestehen.

Daher erwarb der damalige "Deutsche Bund für Vogelschutz" (heute Naturschutzbund Deutschland) Ortsgruppe Konstanz 1971 ein altes Forschungsschiff der staatlichen Vogelwarte Möggingen, das bereits seit Mitte der 20-er Jahre zur Erforschung der Avifauna des Bodensees eingesetzt wurde und baute es zum einzigen Hausboot des Bodensees um.

Die Schutz und Beobachtungsstation "Netta" liegt in den Sommermonaten unmittelbar an der Schutzgebietsgrenze und ist mit ehrenamtlichen Helfern besetzt. Dies bietet einen idealen Schutz für die sensible Flachwasserzone: Störenfriede können unmittelbar angesprochen und aus dem Schutzgebiet verwiesen werden und durch die Beobachtung vom Boot aus konnten zahlreiche neue Erkenntnisse über die Bestandsentwicklung und das Verhalten der Wasservögel gesammelt werden, die unmittelbar in die Betreuungsarbeit einflossen. Ein Hauptaugenmerk liegt jedoch auf der prophylaktischen Aufklärungsarbeit der Wassersportler, damit ein Eingreifen erst gar nicht nötig wird. So wurde die "Netta" 1994 mit Hilfe eines Zuschusses des Deutschen Bundesstiftung Umwelt mit einer Solaranlage ausgerüstet, als Vorbild für Wassersportler bezüglich des Einsatzes umwelt- und naturverträglicher Technologien anstelle der noch weit verbreiteten Verbrennungsmotoren.


Namensgeber der "Netta": die Kolbenente

Neben wichtigen Überwachungsaufgaben wird die Netta auch heute noch als wichtige Beobachtungsstation für die Wasservogelforschung am Bodensee genutzt. Vor allem wichtige Daten zum Bruterfolg der Wasservögel, aber auch zu Mauservorkommen werden von der Netta aus erhoben. Der herausragende Wert ist die langfristig kontinuierliche Präsenz gut ausgebildeter Ornithologen unmittelbar im ornithologisch bedeutsamen Ermatinger Becken. So verfügt das NABU-Naturschutzentrum über eine vermutlich einzigartige Zahlenreiche, die die Veränderung der Brutvogelbestände bis in die 70-er Jahre dokumentiert.

Ein wichtiges Forschungsprojekt, in dem die Netta eingesetzt wurde, war die Erforschung der Auswirkung der Wasservogeljagd auf die überwinternden Wasservögel. Die Forschungsergebnisse lieferten wichtige Argumente, die schlussendlich zur Einstellung der gemeinschaftlichen Wasservogeljagd am Untersee führten. Auch eines der wichtigsten Grundlagenwerke die „Avifauna Bodensee“, stützt sich unter anderem auf Daten, die von der Netta aus erhoben wurden.

Die in die Jahre gekommene "Netta" wurde im Jahr 2009 durch einen Neubau ersetzt, der ausschließlich durch Spender der NABU Stiftung Naturerbe finanziert wird. Allen Spendern sei an dieser Stelle ein herzliches "Dankeschön" gesagt!

Mehr zur Arbeit auf der neuen Netta
Mehr zur Geschichte der Netta
Taufe der neuen Netta
Download Artikel aus "Naturschutz Heute" zur Netta
Die Anfänge im Naturschutz

 

Schäfer

Das Wollmatinger Ried wurde bereits 1930 zunächst für 5 Jahre unter Schutz gestellt. Durch die Naturschutzverordnung vom 17.02.1938 für die Gebiete Wollmatinger Ried, Giehrenmoos und Dreifußwiesen auf den Gemarkungen Konstanz, Reichenau und Hegne erhielt die Uferlandschaft den endgültigen staatlichen Schutz.

Die früher sehr intensive deutsch-schweizerische Wasservogeljagd wurde 1985 verboten.

Die geschützte Riedfläche umfasste zunächst 465 Hektar, wovon 1964 zur Arrondierung des Konstanzer Gewerbegebiets "Unterlohn" ca. 5 Hektar aus dem Schutz entlassen wurden. Nach einer Erweiterung im Jahre 1980, durch welche die dem Ried vorgelagerten Wasserflächen auf dem Untersee und Gnadensee in das neue Natur- und Landschaftsschutzgebiet "Wollmatinger Ried-Untersee-Gnadensee" einbezogen wurden, vergrößerte sich die Fläche auf 767 Hektar.

Nutzungsgeschichte

 

Luftaufnahme

Für die Seeanwohner war die Nutzung des Rieds infolge des unbeherrschbaren Wasserhaushalts nur in engen Grenzen möglich. Neben dem Fischfang und der Jagd auf Wasservögel war nur eine extensive Landwirtschaft möglich. Die Bewirtschaftung der Riedwiesen und der Schilfzone beschränkte sich in der Regel auf eine Mahd im Winterhalbjahr.

Um die Nutzungsmöglichkeiten zu verbessern, wurde bereits 1832 ein System von Abzugsgräben angelegt. Doch verhinderte das in der Regel bis Juni/Juli steigende Seewasser einen auf Dauer spürbaren großflächigen Entwässerungseffekt.

Das Wollmatinger Ried lieferte vor allem Einstreu für Viehställe, aber auch Schilfrohr für Gipsermatten.

Wegen der veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wurde seit Anfang der 1960er-Jahre die Streuwiesenmahd eingestellt. Die ausgedehnten Riedwiesen blieben ungemäht, so dass sich durch die natürliche Vegetationsentwicklung (Sukzession) Bäume und Sträucher ungestört ausbreiten konnten. Die Tier- und Pflanzenarten der Streuwiesen, welche von der regelmäßigen Mahd abhängig sind, wurden verdrängt. Um diese stark gefährdeten Riedarten zu erhalten, wurde seit den 1970er-Jahren die Pflege der Streuwiesen durch aktive Naturschützer wieder aufgenommen.

Aktuell das größte Problem ist, dass durch die immer noch fortschreitende Ausdehnung von Siedlungs- und Gewerbegebieten die Pufferzonen im Hinterland des Rieds wegfallen.

Einige Tierarten können bei Hochwasser nicht mehr ausweichen und sterben aus.

Pfahlbauten im Wollmatinger Ried
Weltkulturerbe vor der Insel Langenrain

 

Karte Wollmatingen-Langenrain

Bild (Autor Landesamt für Denkmalpflege BW)

Vor der Insel Langenrain in der Flachwasserzone des Wollmatinger Rieds finden sich Reste gut erhaltener spätbronzezeitliche Siedlungen. Weitere Informationen finden Sie unter diesem Link..

Partner

Die Arbeit des Naturschutzzentrums Wollmatinger Ried wird finanziell unterstützt durch die Firmen:

 

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Karte von BW